Insights: Meinung

Von Porsche zu Predictions: Finanzmarketing hat mehr PS verdient
Ein Interview mit Neuzugang Christian Stamp, Creative Director Copy/Concept.
CCF: Chris, mit 13 wollten die meisten Jungs Astronaut oder Profifußballer werden. Wie war das bei dir?
Christian Stamp: Ich wollte Werbetexter werden. Klingt nerdy, war aber genau mein Ding. Und ist es bis heute geblieben. Seitdem habe ich für so ziemlich alles Ideen, Konzepte und Texte entwickelt, was eine Marke hat – und das über die gesamte Klaviatur hinweg, zuletzt viel Content und Social. Darunter waren die großen Automotive-Brands wie Volkswagen, Lamborghini, Audi, Mercedes, BMW und Porsche. Aber auch FMCG-Ikonen wie Fritz-Kola, Edeka, IKEA und RIMOWA. Sowie im Premium-Lifestyle-Bereich Kunden wie Ligne Roset oder Porsche Design. Und für Astra wiederum durfte ich Frauen mal auf Augenhöhe ansprechen – was sonst ja eigentlich eher nicht der Fall ist.
CCF: Und gelohnt hat sich das auch, zumindest, wenn man sich deine Award-Historie anschaut.
Christian Stamp: Dass ich in und mit meinen jeweiligen Teams dann über die Jahre national und international ausgezeichnet wurde – von Auszeichnungen und Nägeln beim ADC über Silver in New York, Auszeichnungen bei Eurobest, D&AD-In-Books bis hin zu Shortlists in Cannes –, ist schon auch ein super Extra. Und das war auch durchaus ein paar Jahre lang ein Ansporn: Diese Schule habe ich mitgenommen, mich aber nie von Arroganz blenden lassen. Lieber tiefer stapeln und am Ende over delivern, das ist schon immer meine Devise. Und überhaupt ist viel spannender, was als Nächstes kommt. Und das ist jetzt: Finanzmarketing.
CCF: Jetzt bist du also bei der Cash Cow Farm angetreten. Waren die Flüge nach New York schon ausgebucht, oder was?
Christian Stamp: Weißt du, ich war schon in Läden, durchaus große Namen, die echt toxisch waren. Und das ist es mir dann irgendwann einfach nicht mehr wert gewesen. Als Freelancer hab ich dann irgendwann auch bei Benni und seiner Herzens-Agentur angeheuert – und was soll ich sagen: Das hat einfach so gut gepasst, dass ich eingestiegen bin. Und jetzt bin ich hier, um die Melkmaschine für die Cash Cows unserer Kunden noch ein bisschen attraktiver und ansprechender zu gestalten. Ich glaube, das ist mir in den letzten Monaten bereits gelungen – zum Beispiel für flatex mit „Ulf of Wall Street“, für unseren Kunden UBS mit der Kampagne „Zeit zu handeln“ oder auch für die tollen Kollegen von BNP mit der fast schon philosophischen Zeile: „Das Leben ist zu short, um nur long zu gehen.“
CCF: Wer dich von deinen Auto-Sachen kennt, fragt sich im ersten Moment trotzdem: Ernsthaft? Vom 500-PS-Sportwagen zu Fonds und Fintechs?
Christian Stamp: Ich bin zwar noch kein Pro in dem Bereich, aber ganz ehrlich: Die einstige Faszination fürs Automobil steckt jetzt im Thema Finanzen. Finanzen sind ein echtes Asset. Was sich da in dem Bereich bereits an Strahlkraft entwickelt hat, möchte ich weiterentwickeln. Und wenn man sich die jüngeren Generationen anschaut, hat das definitiv auch TÜV: Die wollen alle unabhängig sein, etwas aufbauen, reich werden. Die Beschäftigung mit Märkten (übrigens auch privat inzwischen mit Haus, Kids und Hund ein großes Steckenpferd von mir) ist kein trockenes Excel-Thema mehr. Es ist Lifestyle. Und total emotional. Sich abends mit seinem Portfolio zu beschäftigen, Unternehmen zu scannen und die makroökonomische Brille aufzusetzen, nenne ich Prokrastination auf Pro-Level.
CCF: Das heißt, Finanzen faszinieren dich also nachhaltig?
Christian Stamp: Absolut. Und als Vollblut-CD sehe ich genau hier die Chance, echte Impulse zu setzen. Finanzmarketing muss nicht langweilig und steif sein. Es darf anecken und Relevanz erzeugen, von Storytelling und echten Emotionen leben. Ich bin extrem gespannt, wohin sich die Branche in den nächsten Jahren bewegt. Und vor allem: Wohin wir sie hier auf der Farm mit frischen Ideen treiben können.
CCF: Darauf freuen wir uns auch, vielen Dank für das Gespräch!

