Geschrieben von Cash Cow Farmer am 7.2.2018

Alt-Hamburg, junge Agentur.
Sehenswerte Gründe, bei uns vorbeizuschauen.

Vor knapp drei Jahren war klar: „Wir haben von Jahr zu Jahr mehr Aufgaben bekommen, jetzt brauchen wir mehr Platz.“ Also haben wir uns nach neuen Räumen für die Cash Cow Farmers gesucht – und uns in ganz alte verliebt: Im Schatten des Michels – oder offiziell: der „Hauptkirche St. Michaelis“ – verbirgt sich hinter einer Ziegel-Fachwerk-Fassade eines der ältesten Gebäudeensemble Hamburgs, die so genannten Kramer-Witwen-Wohnungen.

Am 24. Februar 1676 erwarb das „Uhr-Alte-Kramer-Ampt“ hier für 7900 Mark ein Grundstück, samt Nebengebäuden und Hinterhof „wie auch allen Beumen, Blumen und Früchten“. Ein Jahr vorher hatte die wohlhabende Händler-Zunft den Plan gefasst, an dieser Stelle eine Unterkunft für Kramer-Witwen einzurichten: Schließlich sollte das Geschäft verstorbener Händler weitergehen, weil aber Frauen nun mal nicht geschäftsfähig waren, mussten sie umziehen.

Schon im Frühjahr 1677 waren die zwei Häuserzeilen im Innenhof bezugsfertig – und für damalige Verhältnisse durchaus gut ausgestattet: In den Wohnungen gab es sogar, versteckt unter der steilen, schmalen Treppe, ein „stilles Örtchen“, allerdings ohne fließendes Wasser. Die Wasserleitungen wurden nämlich erst Ende des 19. Jahrhunderts gelegt, nach der letzten großen Cholera-Epidemie in Hamburg. Die Brunnen im Hof hingegen sind lange weg.

Die Krameramtswohnungen sind geblieben. Der Hamburger Brand von 1842 hat sie ebenso verschont wie die Bombennächte im 2. Weltkrieg, nicht einmal der aktuelle Immobilienboom konnte ihnen bislang etwas anhaben.

Geblieben sind die Ricken, Gerüste zum Wäschetrocknen, die außen an einigen Obergeschossen angebracht sind. Geblieben sind die Luken, durch die früher die Möbel in die Wohnung gezurrt wurden. Auch die merkwürdig gedrehten Schornsteine sind noch vorhanden, bzw. wieder: Denn vor knapp 50 Jahren zog die letzte Witwe aus und die Kramer-Witwen-Wohnungen wurden umfassend restauriert und umgewidmet. Eine von ihnen kann heute noch als Museum besichtigt werden, in den anderen finden Sie Geschäfte für Kaffee, Tee, Gewürze und Andenken, ein traditionelles Hamburger Restaurant – und eine kleine Werbeagentur, mit Stromanschluss, Computern und sogar Internet.

Wir fühlen uns wohl hier, unter den handbemalten (und teilweise recht niedrigen) Decken. Falls Sie gerade in der Gegend sind, zeigen wir Ihnen gern, wie wir arbeiten. Und auf Wunsch zitieren wir Ihnen auch wortgetreu den Standard-Vortrag des Fremdenführers, der täglich mehrmals Busreisegruppen in den Hof des Krameramts führt: „…manche von Ihnen fühlen sich vielleicht an die Winkelgasse bei Harry Potter erinnert…“

Autor: Cash Cow Farmer
Datum: 7.2.2018
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